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Der Tricorder aus Star Trek ist beinahe hier: Scanadu Scout

Der Tricorder aus Star Trek ist beinahe hier: Scanadu Scout

Welcher Geek, Trekkie, Mediziner oder Hypochonder wollte ihn nicht schon einmal besitzen oder zumindest benutzen: Den medizinischen Tricorder aus Star Trek, oder seine universelle Version für den Außeneinsatz. Ein kleines Gerät, das sämtliche relevanten Vitaldaten in kürzester Zeit auslesen und analysieren kann.

So versatil wie die Star Trek Variante ist das Produkt von Scanadu noch nicht, dafür kann der Scanadu Scout aber schon eine ganze Menge relevanter Daten erfassen. Die Applikation ist überraschend einfach: Er wird einfach nur beim Patienten (oder Besitzer) an die Stirn gehalten, einige Sekunden reichen bereits für einen Scanvorgang aus. Der philosophische Grundgedanke dahinter ist einer der Befähigung von Patienten, einfache Messungen selbst vorzunehmen.

Die Implikationen für Krankenhäuser & Personal (holografische Notfallärzte ausgeschlossen)

Aktuell geben wir bekanntlich große Summen für Krankenhauspersonal aus, die sich nicht immer bezahlt machen. Repetive Aufgaben, Stress und eine oftmals miese Gehaltssituation spiegeln sich manchmal leider in der Erfahrung von Patienten mit dem Pflegepersonal wieder – was sich mit dieser Gerätschaft zumindest partiell lösen ließe. Die unangenehme, mehrfach verfehlte Infusion wird dadurch vielleicht nicht gelöst, aber ein gutes Stück Routinearbeit.

Die Implikationen technologischer Fortschritte in dienstleistungsähnlichen Jobs weisen wie so oft in eine Richtung: Alles maschinenmachbare wird auch irgendwann von Maschinen erledigt. Wenn beim Release des durch IndieGoGo gestützten Projekts das Krankenhauspersonal nur harte Kritik für das Gerät übrig hat, wissen wir zumindest um die möglichen Beweggründe hinter dem Widerstand. Das sei nur mal ganz am Rande erwähnt, vielleicht wird das Gerät auch von der medizinischen Gemeinde begrüßt und gelobt – Tests gibt es nämlich noch keine, zumindest nicht im öffentlichen Umfang.

Scanadu Scout Rendering

Wie funktioniert der “Tricorder” von Scanadu?

Die Macher des Scanadu Scout schweigen sich nämlich überwiegend aus, wenn es um die Funktionsweise des Geräts geht. Das Projekt wurde erfolgreich mit gemütlichen 1,2 Millionen US-Dollar finanziert, wobei die Gründer einen Betrag von 100.000 US-Dollar anvisiert hatten. Die Unterstützung und das Interesse der Allgemeinheit sind also schon mal beeindruckend, was angesichts der Möglichkeiten dieser kleinen Gerätschaft nicht als Überraschung daherkommt.

Jeder Scanadu Scout kann mindestens 7 Parameter messen und via Bluetooth an ein Smartphone weitergeben. Dazu zählen die Herzfrequenz, Haut- und Körperkerntemperatur, die Blutsauerstoffsättigung, Atmungsfrequenz, Blutdruck, EKG und emotionaler Stress. Mithilfe des kleinen Tricorders lassen sich somit Parameter in bisher nicht dagewesener Form zuhause festhalten und Protokollieren, die App liefert algorithmischen Aufschluss über die Zusammenhänge und Folgen der aktuellen Vitalwerte.

Die Technologie soll auf der 32-bit RTOS Micrium Plattform basieren, die beispielsweise auch auf dem Curiosity Mars Rover Einsatz findet, dort hilft sie nämlich bei der Analyse von entnommenen Proben im mobilen Labor (SAM).

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Das Team hinter Scanadu Scout in der Produktionsstätte der Hardware.

App soll sowohl Android, als auch iOS unterstützen. Windows Phone wird leider nicht hochgebeamed, Scotty.

Die Companion App wird sowohl Android, als auch iOS abdecken. Wie bei sämtlichen neuen Gadgets mit Bluetooth, wird Bluetooth 4.0 bzw. die Low-Energy Variante davon vorausgesetzt. Der Akku des Tricorders wird schlicht und ergreifend per micro-USB-Adapter geladen (so gar nicht Star Trek like, aber tauglich!) und braucht lediglich eine Stunde für eine volle Ladung. Mehrere Scans am Tag, beispielsweise bei chronisch kranken Patienten oder datenhungrigen Geeks, sollen immerhin etwa eine Woche an Akkulaufzeit mitmachen. Das Design für den Tricorder stammt übrigens von Yves Béhars Agentur fuseproject, die auch für OUYA, One Laptop per Child und Jawbone tätig war.

Wie geht die Reise weiter? Klinische Studien mit freiwilligen Probanden und ein FDA-Approval stehen noch aus. Das Produkt wird bei Fertigstellung der Tests schließlich zu 100% in den Vereinigten Staaten hergestellt und voraussichtlich im März 2014 den Markt erreichen. Eine naturwissenschaftliche Version für Geeks, die sich mit Werten der Außenwelt auseinandersetzt, wird übrigens vom unabhängigen Tricorder Project auf Linux-Basis entwickelt.

Begeistert wegen der Möglichkeiten? Die Krankenkassen hierzulande sicher auch!

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Tricorder in Star Trek: Voyager

Der gläserne Patient v 2.0? Datenschützer sehen Vitalsensoren in Verbindung mit Cloud-Diensten, dem Web oder gar Smartphones im Allgemeinen eher kritisch. Angesichts der NSA-Spionageaffäre (die mit hoher Wahrscheinlichkeit nur einen kleinen Teil des Eisbergs offenbarte) und ständigen Bemühungen der Krankenkassen, ihre Patienten immer gläserner zu gestalten, könnte zu naiver Umgang mit den eigenen Daten schnell in Problemen resultieren.

Hochkatapultierende Beiträge bei der Kasse oder schlimmstenfalls sogar der Ausschluss, berufliche Barrieren oder anderweitige Stigmatisierung wären die düstere, aber mögliche Folge. Wie die App von Scanadu letztlich mit den Daten umgeht, die per Scout ausgelesen werden, ist immerhin nur eine Seite der Gleichung.

Ein kompromittiertes Smartphone wäre schließlich auch ein Angriffsvektor für böswillige Gesellen, je nachdem wie die Vital-Logs dann vorliegen. Spätestens seitdem sicher ist, dass sich von sogenannten Metadaten beim Mailverkehr oder Chat bereits erhebliche Einsichten ableiten lassen, dürfte auch hier klar sein, dass selbst rudimentäre Vitaldaten im restlichen Kontext durchaus privat bleiben sollten.

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