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Google Reader: Alternativen und Schleudersitz

Google Reader: Alternativen und Schleudersitz

Heute ist, schenkt man dem mittlerweile so langsam realistisch wirkenden, bedrohlichen Popup am Anfang einer Session seinen Glauben, der letzte Tag des Google Reader. Anstatt dem verblichenen Dienst nachzutrauern, empfehlen wir die zügige Evakuierung Eurer Daten und den flotten Umstieg auf eine schöne Alternative zum Google Reader.

Wie lassen sich die Daten vom Reader am besten exportieren?

readertakeout

Das Schlüsselwort lautet hier OPML bzw. XML. Ihr kommt an sämtliche Feeds, wenn ihr über das Zahnrad-Icon im oberen rechten Bereich des Interfaces die Einstellungen aufruft, dort findet sich bei der Registerkarte Import/Export dann die Möglichkeit des XML-Exports über Takeout. Der Shortcut hierzu wäre übrigens dieser Link, sofern ihr bereits eingeloggt seid. Dort wird dann ein Archiv mit Pi mal Daumen 8 Dateien erzeugt, das alle (für Euch zugänglichen) von Google gespeicherten Daten und Metadaten dieses Dienstes enthält.

Innerhalb von wenigen Sekunden verfügt ihr dann über eine Datei, die sämtliche Feeds inklusive der simplen Ordnerstruktur übernimmt. Wer mehrere verschachtelte Ordner nutzt, sollte aufpassen: Einige Reader (und vermutlich auch die OPML-Spezifikation) unterstützen nur zwei hierarchische Ebenen und tendieren zum vollständigen Plätten der Ordnerstruktur, was natürlich weniger cool ist. Also empfiehlt es sich, die Unterordner sicherheitshalber (wenn nicht zu stressig) umzustellen.

Wofür überhaupt der Quatsch, immerhin kann ich bei feedly meine Daten einfach per Login importieren? Die Antwort ist ganz einfach: Wer auf einen desktopbasierten Client, oder im Allgemeinen auf einen RSS-Reader ohne Google-Account-Anbindung umsteigen möchte, kommt um diese Nummer nicht herum. Der Vorteil: Eine gesicherte XML-Datei gibt zusätzliche Sicherheit in der stürmischen Zeit, die sich jetzt beim endgültigen Abschalten des beliebtesten RSS-Feed-Readers abspielen wird. Es kann also nicht schaden.

Alternative 1: Feedly

feedly

Der webbasierte Dienst ähnelt dem Google Reader Webinterface, hat passende Apps und einige Zusatzfeatures parat. Mir persönlich gefällt die Optik von Feedly nicht so sehr, aber beim Google Reader ging es mit anfänglich genauso, später lernte ich ihn dann doch zu schätzen (wobei ja im Laufe der Zeit einige UI-Tweaks hinzu kamen).

Feedly wird von vielen Usern als beste Alternative gehandelt, ein nettes Feature sind beispielsweise die einbezogenen Sharingwerte zum internen Ranking innerhalb eures Readers, womit sich besonders populäre Artikel schnell identifizieren lassen. Verschiedene Ansichtsmodi (Liste, Thumbs mit mini-excerpt, Pinterest-ähnliches Masonry-Layout und komplette Artikel in scrollbarer Ansicht) liefern eine Menge visuelle Flexibilität, für gängige Browser gibt es eine Erweiterung, für Android und iOS jeweils eine native App.

Für Umsteiger bietet Feedly einen Ein-Klick-Import. Der Vorteil liegt natürlich in der Synchronisation und Cross-Platform Unterstützung, die auch den Google Reader so populär gemacht hat. Nachteilig empfinde ich die etwas gewöhnungsbedürftige Menüführung, aber immerhin werden alle populären Sharing- und Readlater-Tools unterstützt und die Nähe zum Google-Original ist auf jeden Fall gegeben.

Alternative 2: NetNewswire

netnewswire

Der native Mac-Client hat zwar noch keine mobile App, die sich einklinkt, aber dafür liefert er meines Erachtens die beste Desktoperfahrung bei völliger Browserunabhängigkeit. Kostenlos für User, die ein winziges Werbebanner in der Ecke ertragen können, ansonsten aktuell zum halben Preis in der neuen Beta erhältlich. Die aktuellste Version ist optisch ansprechend, konfigurierbar und zeitgemäß gestaltet. Ein nettes Detail sind die dekolorierten Fav-Icons, ähnlich der neuen Optik des Mac OS X Finders.

Auf hoher Auflösung lässt sich mit dem dreispaltigen Layout äußerst bequem lesen – links habt ihr alle Feeds, dann folgen die Inhalte von Feeds oder Feedordnern in einer zweiten Spalte, während der aufbereitete Inhalt in einer letzten Spalte steht. Ein integrierter Browser mit Tab-Unterstützung rundet die Sache ab, wobei sich Posts auch im Wunschbrowser öffnen lassen. Der Fokus wird stark auf den Content gelegt, während das Interface sich wunderbar in Mountain Lion einfügt. Ein internes Bookmark-System hilft beim Ablegen von interessanten Inhalten, die man später lesen möchte. Vorteilhaft ist vor allem die Performance, denn wenn die Feeds jeden Tag geladen werden, ist das Browsen ohne  Verzögerungen á la Webapp möglich. Flash wird standardmäßig geblockt, lässt sich aber hinzuschalten. Die Leseansicht ist gerade beim älteren MacBook sehr performant.

Nachteile: Keine mobile Variante, nur der Umweg über Instapaper. Keine Unterstützung für Pocket, lediglich Instapaper, Twitter und Facebook sind als Standard-Sharingoptionen dabei.

Alternative 3: Digg Reader

diggreader

Taufrischer könnte er nicht sein, der RSS-Reader von Digg. Die Optik entspricht dem Google Reader in hübscher, wir finden direkt Unterstützung für Pocket, Readability und Instapaper (Auswahl ist immer schön) sowie Facebook und Twitter vor. Auf Wunsch gibt es einen Digg Digest der interessantesten Stories im Netz via Mail.

Woher kommt Digg? Digg ist eigentlich eine Community-Site, die ähnlich Reddit diverse Interessengebiete bedient und sich mit dem gemeinschaftlichen Ranken von Links beschäftigt. Die Site ist immer unbeliebter geworden, als gewerbliche Inhalte stetig die oberen Ränge belegten und die Community qualitativ zum Abdriften brachte. Mittlerweile sieht Digg wesentlich polierter aus und liefert einen besseren Überblick über interessante Artikel, der redaktionelle Eingriff in das Kurieren von Themen scheint stärker ausgeprägt zu sein. Nur mal als Sidenote.

Auch Digg bietet einen kinderleichten Import per Google-Login, ein internes Rankingsystem mit dem Daumen nach oben (Das ist der digg, “to dig something” ist sowas wie ein like in der Umganggsprache) und ein immens übersichtliches, aufgeräumtes Interface. Die Performance ist nicht ganz en par mit Feedly, aber trotzdem sehr angenehm.

Für das mobile Browsen bietet Digg eine native App für iOS, die den Reader serviert. Die Android-App ist noch nicht draußen, sollte aber sehr bald erscheinen.

Weitere Alternativen:

Es gibt mittlerweile so viele Google Reader Klone, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, daher verlinke ich hier mal einige interessante Kandidaten, die teilweise nur als Webapp oder nur als mobile App verfügbar sind. Außerdem finden sich in der nachfolgenden Liste auch völlig eigene Konzepte wie Flipboard, die sich eher nach Magazinen richten:

  • AOL Reader (diverse Ansichten, Pocket, langsam, mobile Apps folgen)
  • Flipboard (rein auf iOS und Android, magazinlastig)
  • The Old Reader (minimalistisch und schon fast altbacken, dafür simpel und schnell)
  • NewsBlur (kostenpflichtig ab 64 Feeds, erzeugt Aggregat-Blog, auch mobil verfügbar, dafür RSS in Echtzeit und trainierbare Filter für interessante/uninteressante Inhalte)
  • Feedbin (kostenpflichtig bei $3 pro Monat, sauberes Interface, diverse Plattformen, keine Suchfunktion, keine Killer Features)
  • Fever und Tiny Tiny RSS (Wer seinen eigenen Server oder dedizierten Webspace für RSS Aggregation nutzen möchte, ist hiermit gut beraten. Fever kostet zwar etwas, hat aber spannende Features)
  • Newsvibe (minimalistisch und aufgeräumt, kein Schnickschnack, aber auch keine sozialen Features)
  • Pulse (Fokus auf Optik und Bilder, sowohl für den Browser als auch als mobile App verfügbar)
  • Reeder (Desktop-Client für Mac-User mit Sync für mobile Apps)

Ganz gleich für welchen Feed-Reader Ihr euch entscheidet: Wir legen jedem natürlich den WBI-RSS-Feed (Weblogit) ans Herz – damit verpasst ihr keinen einzigen Artikel, egal ob es um Kuriositäten aus dem Netz, futuristische Technologie, News rund um die mobile Datenwelt oder um Gadgets geht.

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