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Atlas, der neue Roboter von Boston Dynamics (Video)

Am letzten Donnerstag wurde er offiziell enthüllt, mittlerweile gibt es auch etwas mehr Videomaterial zu ihm: Atlas. Der neue Roboter von Boston Dynamics ist die menschenähnliche Maschine, die unter anderem in der DARPA Robotics Challenge (DRC) für interessante Experimente sorgt. Es geht bei der DRC um die Entwicklung von Roboter-Hardware und passender Software für Ausnahmezustände und Notfälle, beispielsweise in einem nuklearen Desaster á la Fukushima.

In der letzten Woche gab es bereits Spezifikationen und Bilder von den Kollegen bei IEEE Spectrum, diesmal ein kurzes Video (siehe oben) von der Enthüllung mit Kurzinterviews einiger Beteiligten. Atlas wurde bereits programmiert, bevor er von einigen Forschern überhaupt gesehen wurde – im Rahmen einer virtuellen Simulation. Dort war unter anderem eindrucksvoll erkennbar, dass das Ein- und Aussteigen aus einem Fahrzeug nicht gerade eine leichte Aufgabe für einen menschenähnlichen Roboter seiner Größe darstellt. Jeder zweite Rentner in wirklich hohem Alter dürfte Atlas bei einer solchen Tätigkeit abhängen. Außerdem sehen die Lösungsansetze der Teams bei JPL, UCSB und CalTech teilweise recht amüsant aus, wenn auch kreativ:

Genau deswegen wir nun daran gearbeitet, die bahnbrechenden Lösungen für alltägliche Situationen zu finden, die in der Robotik keineswegs mit Selbstverständlichkeit überwunden werden. Dazu gehört die Navigation von schwierigem Terrain, die Nutzung menschlicher Krücken á la Jeep und der Gebrauch von Handwerkzeugen, die für Menschenhände optimiert sind. Alle diese Eigenschaften machen einen Roboter erst wirklich hilfreich in einer Krisensituation – wer möchte schon seinen Helfer mit mehreren weiteren (menschlichen) Helfern ins Auto tragen müssen, wenn es darauf ankommt? Ohne Adaption an typische Umstände sind Roboter in Krisengebieten weiterhin nur teures Spielzeug. Atlas hat übrigens wie wir zwei Arme, zwei Beine, einen Torso und einen Kopf. Bei ihm sorgen insgesamt 28 hydraulisch betätigte Gelenke für Bewegung. Seine Sensorrübe kann via LIDAR und Tiefenkameras die Umgebung erkunden, eine Hand kommt von iRobot und eine von Sandia National Labs. Außerdem haben wir seinen Großzeh entwickelt. Der letzte Part war gelogen.

Obgleich die DARPA, Boston Dynamics und alle Beteiligten natürlich nur wenig zur Applikation in Kriegssituationen sagen, können wir schwer davon ausgehen, dass viele Erkenntnisse in genau dieser Ecke angewendet werden. Ich stelle mir gerade eine von den Nachfolgern Big Dog, Little Dog, Petman und Atlas gestützte Einheit vor, die sich (durch Drohnen gestützt) das verbleibende Öl in diversen Teilen der Welt beschafft und sämtliche Opposition einfach mit stählerner Gewalt unterwirft. Das Potenzial für gewissensfreie und pausenlose, vom menschlichen Willen losgekoppelte Kriegsführung ist gigantisch. Klingt nicht gerade nach einer glitzernden Zukunft, oder?

Gleichzeitig spreche ich mich aber bei jeder Gelegenheit für die Fortschritte in der Robotik aus, da ich nicht an die langfristige Viabilität von Jobs im Pflege-, Dienstleistungs- und Produktionssektor glaube und irgendwann selbst von den Früchten der Forschung profitieren möchte. Der Boden saugt sich schließlich (noch) nicht von selbst. Aber mit einem iRobot Roomba geht es leichter.

Altenpflege, Stadtreinigung, Fabrikarbeit und Umzüge sind nur einige kleine Beispiele, die von menschenähnlichen Robotern (nicht unbedingt von Atlas!) nicht nur gewissenhafter, sondern auch für die Gesellschaft erheblich profitabler erledigt werden könnten. Irgendwann zählt selbst die jungspundhafte iOS- und Android-Generation zum alten Holz und wird sicher keinen Bock haben, den Ahnen den Allerwertesten abzuwischen. Schon jetzt nähern sich die AltenpflegerInnen im Altersdurchschnitt den Heimbewohnern in Deutschlands Altersheimen stetig.

Mit jedem Fortschritt in der Robotik scheint die Mittelschicht (zumindest hinsichtlich der Karrierewelt) redundanter zu werden. Fragt sich nur wo der Rest dann abbleibt. Während einige Futuristen die “einfachen” Arbeiter als künftige Trainer für menschenfreundliche Roboter in der Produktion sehen und gar von einem Zeitalter des Überschusses aller Ressourcen sprechen, ist vielerorts eine grimmigere Stimmung angesagt. Werden Roboter uns endlich von den Bürden des Arbeitsalltags befreien und unsere Kreativität somit zu neuen Höhen beflügeln? Oder steuern wir stattdessen auf ein Zeitalter der Massenarbeitslosigkeit, Bürgerkriege und Corporate Governments zu? Vielleicht auf eine halbwegs angenehme Mitte wie in Idiocracy, wo der Mensch nur noch Konsument ist?

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