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elementary OS ‘Luna’: Eine Mac OS X ähnelnde Linux-Distribution

elementary OS ‘Luna’: Eine Mac OS X ähnelnde Linux-Distribution

Frevelhaft! Mit der neuen Version von elementary OS ‘Luna’ bekommen ganz normale User Zugang zu einer ordentlichen Portion UI/UX-Schönheit zum Nulltarif. Die Hater werden schreien, sich auf den Boden werfen und mit den Füßen treten und mit den Armen rudern. Eine Linux-Distribution wagt es tatsächlich mal wieder, sich mal bei Mac OS X zu bedienen und UI-Designkonzepte nicht nur zu kopieren, sondern stellenweise auch zu verfeinern.

Basierend auf Ubuntu 12.04 LTS (und dem dazugehörigen Kernel 3.2.0) wartet elementary OS mit allen Bequemlichkeiten von Ubuntu auf und kann im Endeffekt genau so behandelt werden wie die Grundlage. Die Änderungen beziehen sich vor allem auf die eingesetzte Shell, die grafische Oberfläche. Außerdem kommt elementary OS mit einem vorkonfigurierten und gut zusammengestellten Package an Basis-Software, weniger Schnickschnack als Ubuntu und sinnvoller Integration wichtiger Ubuntu-Elemente.

Direkt beim ersten Boot fällt auf: Arriba, das Teil ist schnell. So schnell, dass meine USB 2.0 Live-Instanz auf einem Thinkpad sogar zum Arbeiten geeignet wäre. Nach der Installation verhält sich das System ebenso “snappy” und begeistert durch flüssige, ästhetische Animationen und eine abgerundete Optik á la Mac OS X. Auch auf einem PC finden wir in der Tastaturkonfiguration von Luna eine Command-Taste mit dem von Apple verwendeten Symbol dafür vor. Die Hommage an die Ästhetik von Apple hält sich nicht bedeckt.

Die Fensterrahmen weisen keine unschön zackigen Ränder auf, wie es bei Ubuntu leider von Haus aus der Fall ist. Die Abwesenheit von Unity, der überladenen und verhältnismäßig langsamen Standardoberfläche von Ubuntu, tut wirklich gut.

elementary-desktop-und-dock

elementary OS kommt mit einem Bundle an schicken Wallpapern und ist out-of-the-box bereits eine Schönheit.

Die eigene Shell von elementary OS nennt sich Pantheon und war in einer Beta-Version (mit Python entwickelt) bislang für Ubuntu verfügbar. Leider überschrieb diese beim Test einige Gnome-Bestandteile und erforderte nach dem Entfernen manuelle Downgrades einiger Pakete, es machte kurzum keinen Spaß. Schlampig entwickelt, war der erste Eindruck.

In der neuen Version wurde Pantheon von Grund auf neu entwickelt, auf Basis moderner Technologien wie der Programmiersprache Vala und dem GTK3 Toolkit. Python und GTK2 flogen aus dem Fenster und die Performance steigerte sich laut den Entwicklern immens.

UI-Elemente wie Sidebars, Buttons, Fortschrittsbalken und das Dock erinnern stark an Mac OS X, wirken aber teilweise ein Stück fortschrittlicher und schlanker. Kontroverse Designentscheidungen prägen Luna übrigens auch in der aktuellen, stabilen Build, die nach 2 Jahren intensiver Entwicklung erschien. So gibt es keinen Button zum Minimieren mehr, da einige native Apps intelligent im Hintergrund weiterlaufen und sofort wieder verfügbar sind. Es gibt keinen Doppelklick, es wird stattdessen einzeln geklickt und mit gehaltener Control-Taste mehrfach markiert. Im Listenmodus des Dateimanagers markiert ein Klick, ein nächster öffnet dann den Ordner. Fühlt sich zuerst komisch an, aber geht wirklich schnell in Fleisch und Blut über. Das preload-Paket (ähnlich Superfetch in Windows) ist standardmäßig aktiv.

Der Launcher wird per Klick auf den oberen linken Menübereich gestartet, oder per Tastenkombi aufgerufen. Die Textsuche nach Apps funktioniert hervorragend und vor allem schnell, so lässt sich die Oberfläche auch komplett mit der Tastatur bedienen. Das Software Center habe ich noch nicht ganz durchschaut, offenbar handelt es sich um dasselbe Angebot wie im Ubuntu Software Center, nur der Logindialog will sich erst gar nicht öffnen. Vielleicht wird hier noch etwas umgebaut. Der Download kostenloser Anwendungen funktioniert darüber einwandfrei.

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Alt-Tab lässt einen übersichtlichen Wechsel zwischen den geöffneten Applikationen zu, da wir statt einem Switcher nur die tatsächlichen Fenster im isolierten Wechsel sehen. Wirklich ein angenehmer Touch, da die Wechsel auch sauber überblendet werden.

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Exposé, wie wir es aus Mac OS X kennen, hat sich ähnlich wie in Compiz/Unity auch in die Pantheon-Oberfläche eingeschlichen. Zusätzlich zu den angeordneten Fenstern sehen wir hier hilfreicherweise auch das Icon der jeweiligen App. Last but not least können wir wie bei neueren Versionen von OS X auch mehrere virtuelle Desktops in Form von Spaces anlegen und verwalten. In der Oberfläche lässt sich eine Anwendung einfach per Drag and Drop des Icons oder mit einer Tastenkombination in einen anderen Space schieben.

Die Standardanwendungen sind mit Ausnahme des Dateimanagers (stark an OS X angelehnt, schlank und schnell), des ziemlich schnellen und auf Webkit basierenden Midori Browsers (der im Sunspider Benchmark meine Chromium-Stable Installation um Längen überholt) und der Musikanwendung Noise (die stark an iTunes erinnert, aber wunderbar schlank ist) sowie dem performanten Videoplayer Totem (Codecs holt er sich automatisch) zwar hübsch, aber nicht spektakulär. Trotzdem ist diese Menge an Politur, Ästhetik und Benutzerfreundlichkeit eine Überraschung für ein Linux-System abseits der großen Distributionen.

H264 HD-Material in Form eines Filmtrailers wird erkannt, Codec installiert, läuft.

H264 HD-Material in Form eines Filmtrailers wird erkannt, Codec wird automatisch installiert, läuft.

Spitze ist in jedem Falle der Texteditor Scratch, der vom einfachen Notepad bis hin zum dunkel gestalteten Code-Editor mit Auto-Wortvervollständigung, automatischen Klammern, Zeilennummern und Indentierung sogar als rudimentärer Ersatz für den Lieblingseditor dienen kann. Geary, der Mail-Client, ist auch in Ubuntu-Umgebungen und im Allgemeinen ziemlich populär, da er schön, flott und unproblematisch ist. Shotwell dient als performanter Foto-Manger.

Luna hat so ziemlich alles, was man für den Start benötigt. Nur persönliche Anwendungen müssen nachgerüstet werden, die Grundbedürfnisse sind abgedeckt. Ein Officepaket kann auf Wunsch nachinstalliert werden, beispielsweise das kostenlose LibreOffice.

Mit wenigen Handgriffen und dem TLP-Paket wird mein Thinkpad mit Core i3 und HD4000 damit auch zum Energiesparer und verbraucht laut Intels Powertop an die 8 bis 9 Watt im Idle bei mittlerer Helligkeit und verbundenem WLAN, bei leichtem Gebrauch bleibe ich unter 12 Watt. Die Hardwareanforderungen sind so gering, dass sich Luna auch auf einem 5 Jahre alten Rechner ohne Probleme ausführen lässt.

Ich bin auf jeden Fall bis jetzt begeistert und konnte noch keine Probleme feststellen, die ich nicht auch unter Ubuntu hatte (und innerhalb weniger Minuten beheben konnte). Für Probleme kann ich übrigens Askubuntu.com sehr empfehlen, die Lösungen sind größtenteils 1:1 übertragbar auf elementary OS.

Der Download von elementary OS Luna ist kostenlos und das Image kann auf einem Desktop-PC, Notebooks oder Mac-Hardware installiert werden. Dafür benutzt Ihr am besten einen USB-Stick, alternativ einen CD-Rohling. Daraufhin booted Ihr vom Installationsmedium und lasst entweder elementary OS die Installation übernehmen (beispielsweise neben Windows) oder ihr legt eigene Partitionen bzw. eine Partition für die Linux-Distribution an.

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